Die Reisekrankenversicherung ist eine spezielle Absicherung, die medizinische Kosten im Ausland übernimmt, welche Ihre gesetzliche Krankenkasse nicht oder nur unzureichend trägt. Sie springt ein bei Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, Medikamenten und vor allem beim teuren Rücktransport nach Deutschland – und das oft schon ab wenigen Euro im Jahr. Ohne sie riskieren Sie schnell Tausende Euro, besonders außerhalb Europas. Viele unterschätzen das, doch ein einziger Unfall oder eine schwere Erkrankung kann den Urlaub nicht nur ruinieren, sondern auch finanziell zur Katastrophe werden.
Wer öfter reist oder einfach auf Nummer sicher gehen will, für den gehört die Reisekrankenversicherung zur Grundausstattung. Sie ergänzt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) und schließt Lücken, die sonst teuer werden können. Im Folgenden erkläre ich Ihnen ausführlich, worauf es wirklich ankommt – von der Definition über Kosten und Leistungen bis hin zu praktischen Tipps und häufigen Fragen.
Was genau ist eine Reisekrankenversicherung und warum brauchen Sie sie?
Eine Reisekrankenversicherung, auch Auslandsreisekrankenversicherung genannt, ist eine private Zusatzversicherung. Sie deckt Heilbehandlungskosten ab, die während einer vorübergehenden Reise außerhalb Deutschlands entstehen. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernimmt sie nicht nur das, was im Ausland üblich ist, sondern meist die vollen Kosten einer angemessenen Behandlung – oft sogar als Privatpatient.
Innerhalb der EU und einiger weiterer Länder hilft die EHIC, die auf der Rückseite Ihrer Gesundheitskarte aufgedruckt ist. Sie sichert medizinisch notwendige Leistungen zu den Bedingungen des Gastlandes. Das klingt gut, reicht aber selten aus. Denn: Zuzahlungen, private Kliniken oder der Rücktransport nach Hause sind damit nicht abgedeckt. Und genau da beginnt der eigentliche Nutzen der Reisekrankenversicherung.
Stellen Sie sich vor, Sie brechen sich im Urlaub in Thailand das Bein. Ohne Versicherung können die Kosten für Behandlung und Rückflug leicht 10.000 bis 20.000 Euro betragen. In den USA wird es noch teurer – ein einfacher Krankenhausaufenthalt kann 50.000 Euro und mehr verschlingen. Die Reisekrankenversicherung verhindert solche finanziellen Schocks und gibt Ihnen die Freiheit, unbeschwert zu reisen.
Viele Tarife sind als Jahrespolice konzipiert. Das bedeutet: Sie zahlen einmal im Jahr und sind für alle Reisen bis zu einer bestimmten Dauer pro Trip (meist 42 bis 56 Tage) automatisch geschützt. Für Langzeitreisende oder Auswanderer gibt es separate Langzeit-Auslandskrankenversicherungen, die bis zu fünf Jahre oder länger laufen können.
Wer profitiert besonders von einer Reisekrankenversicherung?
Eigentlich fast jeder, der Deutschland verlässt. Aber einige Gruppen profitieren besonders stark. Familien mit kleinen Kindern zum Beispiel: Ein krankes Kind im Ausland ist nicht nur emotional belastend, sondern auch organisatorisch aufwendig. Viele Policen übernehmen dann sogar die Unterbringung eines Elternteils (Rooming-in) oder die Betreuung von Geschwistern.
Senioren ab 65 oder 70 Jahren zahlen zwar höhere Beiträge, weil das Risiko steigt – doch der Schutz ist für sie besonders wertvoll. Chronische Erkrankungen oder ein höheres Risiko für Komplikationen machen den Rücktransport oder eine gute medizinische Versorgung essenziell.
Geschäftsreisende, die häufig unterwegs sind, Backpacker auf Weltreise oder Paare, die spontan ein Wochenende in Barcelona verbringen – alle sollten darüber nachdenken. Haben Sie schon einmal überlegt, was passiert, wenn Sie in Spanien plötzlich operiert werden müssen und die Rechnung direkt an Sie geht? Die EHIC hilft nur bedingt.
Auch für Reisen in Länder ohne Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland ist die Police unverzichtbar. Dazu zählen die USA, Kanada, Thailand, Australien oder viele asiatische und afrikanische Staaten. Selbst innerhalb Europas lohnt sie sich, weil viele Tarife den medizinisch sinnvollen Rücktransport einschließen – ein Punkt, den die gesetzliche Kasse nie übernimmt.
Wie viel kostet eine Reisekrankenversicherung wirklich? Aktuelle Preise und Einflussfaktoren
Die Reisekrankenversicherung gehört zu den günstigsten Versicherungen überhaupt. Aktuelle Tests von Stiftung Warentest (Finanztest) zeigen: Sehr gute Jahrespolicen für Einzelpersonen gibt es schon ab etwa 8 bis 15 Euro pro Jahr. Für Familien mit zwei Erwachsenen und Kindern liegen gute Tarife bei 20 bis 35 Euro jährlich.
Die Preise hängen von mehreren Faktoren ab:
- Alter: Unter 65 Jahren bleibt es günstig. Ab 70 oder 75 steigen die Beiträge spürbar – eine 70-jährige Seniorin zahlt oft um die 20 bis 60 Euro, je nach Tarif.
- Reiseziel: Weltweiter Schutz inklusive USA/Kanada ist teurer als Europa plus ausgewählte Länder.
- Dauer pro Reise: Die meisten Jahrestarife decken Reisen bis 42 oder 56 Tage ab. Längere Trips brauchen spezielle Tarife.
- Selbstbeteiligung: Tarife ohne Selbstbehalt sind etwas teurer, aber empfehlenswert.
- Familienstatus: Kinder sind oft günstig oder kostenlos mitversichert, solange sie im Haushalt leben.
Beispiele aus aktuellen Vergleichen: Ein 35-jähriger Single zahlt bei Testsiegern wie TravelSecure oder ERGO rund 9 bis 14 Euro im Jahr. Eine Familie mit zwei Kindern kommt auf 25 bis 30 Euro. Für eine einzelne Woche in Europa reicht manchmal schon ein Einmal-Tarif für 2 bis 5 Euro.
Langzeitversicherungen für mehrere Monate oder ein Jahr kosten deutlich mehr – hier liegen die Preise bei mehreren Hundert Euro, je nach Umfang. Wer mehrmals im Jahr reist, fährt mit der Jahrespolice fast immer günstiger.
Welche Leistungen sind in einer guten Reisekrankenversicherung enthalten?
Eine starke Police sollte folgende Kernleistungen bieten:
- Ambulante Behandlungen beim Arzt oder in der Notaufnahme
- Stationäre Aufenthalte inklusive Operationen
- Medikamente, Verbandsmaterial und Heilmittel
- Schmerzstillende Zahnbehandlungen (manchmal auch weitergehend)
- Medizinisch sinnvoller Krankenrücktransport nach Deutschland
- Überführung im Todesfall oder Bestattungskosten
- Bergungs- und Suchkosten (z. B. nach Lawinenunfällen)
- Oft auch: Kinderbetreuung oder Rückholung von Begleitpersonen
Wichtig ist die Formulierung beim Rücktransport. Besser ist „medizinisch sinnvoll“ statt nur „medizinisch notwendig“. Denn „sinnvoll“ greift schon früher ein – zum Beispiel, wenn die Behandlung vor Ort zwar möglich, aber qualitativ schlechter ist als in Deutschland.
Viele Tarife schließen Corona- oder Pandemie-Erkrankungen ein, solange keine Reisewarnung vorlag. Zusatzleistungen wie psychologische Betreuung nach Unfällen oder Transportkosten für Begleitpersonen runden das Paket ab.
Wo liegen die Grenzen und häufigen Ausschlüsse?
Keine Versicherung ist perfekt. Typische Ausschlüsse sind:
- Vorerkrankungen, die schon vor Reiseantritt bekannt waren und behandelt wurden. Akute Verschlechterungen sind oft abgedeckt, stabile chronische Leiden meist nicht.
- Abenteuersportarten wie Tiefseetauchen, Fallschirmspringen oder Extremskifahren – hier braucht es oft einen Zusatztarif.
- Reisen in Kriegs- oder Krisengebiete.
- Behandlungen, die schon vor der Reise geplant waren (z. B. Schönheitsoperationen).
- Überschreiten der maximalen Reisedauer pro Trip.
Bei Vorerkrankungen lohnt es sich, vor Abschluss nachzufragen. Manche Anbieter akzeptieren sie gegen Aufpreis oder nach Wartezeit. Lesen Sie die Versicherungsbedingungen (AVB) immer genau durch – das Kleingedruckte entscheidet im Ernstfall.
Vorteile und Nachteile einer Reisekrankenversicherung
Die Vorteile liegen auf der Hand: Finanzielle Sicherheit, 24-Stunden-Notruf auf Deutsch, Organisation des Rücktransports und oft schnelle Erstattung. Sie sparen sich Streit mit der Krankenkasse und können im Ausland ohne Sorge behandelt werden.
Nachteile? Der Beitrag ist minimal, aber manche ärgern sich, wenn sie jahrelang nichts in Anspruch nehmen. Das ist jedoch der Sinn einer Versicherung – Prävention statt Reue. Ein weiterer kleiner Minuspunkt: Nicht jeder Tarif eignet sich für sehr lange Aufenthalte. Für Weltreisen oder Auslandsaufenthalte über mehrere Monate braucht man spezielle Langzeit-Tarife.
Insgesamt überwiegen die Vorteile bei Weitem. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum potenziellen Schaden.

Reisekrankenversicherung im Vergleich: Kreditkarte, Pauschalreise oder separate Police?
Viele glauben, die Kreditkarte reicht aus. Oft enthält sie einen Reisekrankenschutz – aber meist nur für 30 bis 90 Tage, mit Einschränkungen und manchmal hoher Selbstbeteiligung. Zudem gilt der Schutz häufig nur, wenn die Reise mit der Karte bezahlt wurde. Für Familien oder mehrmalige Reisen ist das selten ausreichend.
Pauschalreisen beinhalten manchmal einen Basisschutz. Der ist aber oft schwach und deckt nicht immer den vollen Rücktransport. Besser: Eine separate, starke Reisekrankenversicherung. Kombi-Pakete mit Reiserücktritt oder Gepäckschutz können sinnvoll sein, wenn Sie mehrere Risiken abdecken wollen. Achten Sie jedoch darauf, dass die Krankenkomponente nicht verwässert wird.
Aktuelle Tests zeigen: Unabhängige Policen von Anbietern wie TravelSecure, ERGO, HanseMerkur oder Europ Assistance schneiden meist besser ab als integrierte Lösungen.
So schließen Sie eine Reisekrankenversicherung richtig ab – Schritt für Schritt
- Prüfen Sie Ihren bestehenden Schutz: Schauen Sie in Ihre Kreditkartenbedingungen und Pauschalreiseunterlagen.
- Vergleichen Sie Tarife: Nutzen Sie unabhängige Portale und achten Sie auf Stiftung Warentest-Ergebnisse. Testsieger wie TravelSecure-AR oder ERGO Reise-Krankenschutz erreichen oft Note 0,5 „sehr gut“.
- Wählen Sie die passenden Bedingungen: Ohne Selbstbeteiligung, weltweiter Schutz, sinnvoller Rücktransport.
- Schließen Sie online ab: Das dauert meist nur wenige Minuten. Die Police kommt per E-Mail.
- Dokumente sichern: Speichern Sie die Police und die Notfallnummer im Handy und ausgedruckt.
- Im Schadensfall: Rufen Sie sofort die Hotline an. Die Versicherung organisiert vieles vor Ort.
Wichtig: Immer vor Reisebeginn abschließen. Nachträglicher Schutz ist nicht möglich.
Rechtliche Aspekte in Deutschland und bei Visa-Anträgen
In Deutschland ist die Reisekrankenversicherung freiwillig. Niemand schreibt sie vor. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt im Ausland nur begrenzt – maximal sechs Wochen bei privaten Reisen in manchen Fällen, aber nie den Rücktransport.
Für Schengen-Visa von Nicht-EU-Bürgern ist ein ausreichender Krankenversicherungsschutz Pflicht. Die Mindestdeckungssumme liegt meist bei 30.000 Euro. Auch für nationale Visa (z. B. Studium oder Arbeit) muss der Schutz dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.
Verbraucherzentralen und das Auswärtige Amt raten dringend zum Abschluss einer Reisekrankenversicherung, weil die Kosten im Ausland explodieren können und die EHIC keine vollständige Absicherung bietet.
Praktische Beispiele aus dem Alltag
Nehmen wir die Familie Müller aus München. Sie fliegen nach Thailand. Die 8-jährige Tochter fällt und bricht sich den Arm. Ohne Versicherung wären Behandlung, Röntgen und Rückflug teuer geworden – mit Jahrespolice nur eine kleine Vorabgebühr.
Oder der 68-jährige Herr Schmidt in den USA: Herzinfarkt. Der Krankenhausaufenthalt und der Rücktransport kosteten über 45.000 Euro. Die Versicherung hat alles übernommen und sogar die Begleitperson mit zurückgeholt.
Solche Fälle sind keine Seltenheit. Als Experte höre ich sie regelmäßig. Sie zeigen: Es geht nicht um „ob“, sondern um „wann“ etwas passiert.
Ein weiteres Beispiel: Ein Paar auf Kreuzfahrt in der Karibik. Der Mann erleidet eine schwere Infektion. Die nächste gute Klinik ist weit entfernt – der Hubschrauber-Rücktransport wird organisiert und bezahlt.
Weitere wichtige Aspekte: Pandemien, Sport und Langzeitreisen
In Zeiten von Pandemien wie Corona haben viele Tarife nachjustiert. Die meisten übernehmen Behandlungen, solange keine offizielle Reisewarnung vorlag. Prüfen Sie das jedoch immer aktuell.
Für Sportbegeisterte: Skifahren in Österreich ist meist inklusive, Tiefseetauchen oder Bungee-Jumping oft nicht. Hier lohnt ein Zusatzbaustein.
Langzeitreisende oder digitale Nomaden brauchen spezielle Tarife. Diese decken bis zu fünf Jahre ab und kosten monatlich zwischen 30 und 100 Euro, je nach Alter und Ziel (mit oder ohne USA).
Häufige Fragen
1: Brauche ich die Reisekrankenversicherung auch in Europa?
Ja. Die EHIC deckt nur einen Teil. Rücktransport und viele Zusatzkosten bleiben außen vor.
2: Wie teuer wird es für eine Familie mit zwei Kindern?
Gute Jahrespolicen starten bei etwa 20 bis 35 Euro pro Jahr, je nach Alter der Eltern.
3: Deckt die Versicherung Vorerkrankungen ab?
Akute Verschlechterungen meist schon. Bekannte, stabile Vorerkrankungen oft nicht – fragen Sie nach.
4: Lohnt sich eine Jahres- oder eine Einmalpolice?
Bei mehr als einer Reise pro Jahr fast immer die Jahresversion. Sie ist flexibler und günstiger.
5: Was passiert bei einer Reisewarnung?
Viele Tarife leisten trotzdem bei akuten Erkrankungen. Lesen Sie die Bedingungen.
6: Gibt es eine Altersgrenze?
Nein, aber der Beitrag steigt mit dem Alter. Senioren ab 75 zahlen mehr, bleiben aber versicherbar.
7: Kann ich die Police kündigen?
Meist zum Ende der Laufzeit. Innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss haben Sie ein Widerrufsrecht.
Praktische Tipps: Fehler vermeiden und Geld sparen
- Vergleichen Sie nicht nur Preise, sondern Leistungen. Schauen Sie auf Tests von Stiftung Warentest.
- Wählen Sie immer „ohne Selbstbeteiligung“.
- Prüfen Sie die maximale Reisedauer pro Trip.
- Bei bestehender privater Krankenversicherung nachfragen – manchmal ist Auslandsschutz schon inklusive.
- Speichern Sie die Notfallnummer und Police digital und analog.
- Abschließen Sie frühzeitig, nicht erst am Flughafen.
- Für Familien: Achten Sie auf Mitversicherung von Kindern bis 18 oder 21 Jahre.
- Kombinieren Sie bei Bedarf mit Reiserücktritt, aber behalten Sie den Fokus auf der Krankenabsicherung.
So sparen Sie nicht nur Geld, sondern vor allem Nerven und Stress im Ernstfall.
Weitere Einblicke in das Versicherungswesen finden Sie unten: Was ist eine Reiseversicherung?
Auslandskrankenversicherung ohne Wartezeit
Union Reiseversicherung Reiserücktritt
Fazit
Eine gute Reisekrankenversicherung kostet wenig, schützt aber vor großen finanziellen Risiken. Sie ergänzt die EHIC perfekt, gibt Sicherheit bei Rücktransport und Behandlungen und lässt Sie den Urlaub wirklich genießen. In Zeiten steigender medizinischer Kosten weltweit ist sie keine Option mehr, sondern eine kluge und verantwortungsvolle Entscheidung.
Schauen Sie sich die aktuellen Testsieger an – ob TravelSecure, ERGO oder andere starke Anbieter. Vergleichen Sie drei bis vier Tarife, lesen Sie die Bedingungen und entscheiden Sie bewusst. Ihre Gesundheit und Ihr Geldbeutel werden es Ihnen danken.
Gute Reise – und bleiben Sie gesund! Wenn Sie Fragen haben, stehen viele unabhängige Berater oder Vergleichsportale bereit. Lassen Sie sich nicht vom Kleingedruckten abschrecken. Mit der richtigen Police reisen Sie entspannter als je zuvor.
